C2, Cadd2, Cadd9, C9, Cmaj9 – Akkordbenennung

Akkordsymbole können für den Anfänger verwirrend sein. Es gibt viele verschiedene Schreibweisen und manche davon sind doppeldeutig oder auch einfach unverständlich. Das Thema dieses Artikels ist Akkordbenennung, den hinter jedem Akkordsymbol verbirgt sich Musiktheorie. Wir bringen etwas Licht ins Dunkel.

Rückblick Akkordaufbau

Akkorde bestehen aus Terzenschichtungen. Es gibt einen Grundton und jeder weitere Akkordton befindet sich eine Terz über dem vorangegangenen. Diese Terzen können klein oder groß sein. Mehr zum Akkordaufbau findest du im Grundlagenartikel zu Akkorden und zu den Akkorderweiterungen.

Akkordsymbole

Um Akkorde zu benennen, haben sich Akkordsymbole eingebürgert. Diese richten sich ausgehend vom Grundton nach der jeweiligen Terzenschichtung und dem sich daraus ergebenden Akkord. Leider ist diese Akkordbenennung nicht immer einheitlich und schon für simple Dur- und Mollakkorde gibt es verschiedene Schreibweisen. So schreiben einige Musiker für einen c-Moll Akkord einfach nur den Kleinbuchstaben “c”, andere schreiben cm. Wieder andere würden den gleichen Akkord als Cm bezeichnen oder Cmin. Bei Dur-Akkorden findet man oft Akkordsymbole wie C für einen C-Dur Akkord, aber auch Cmaj oder Cj.

Nun gibt es hier einige gebräuchliche Schreibweisen, die man immer wieder sieht. Die häufigste Schreibung für C-Dur ist sicherlich C. Die häufigsten zwei Schreibungen für c-Moll sind der Kleinbuchstabe “c” und Cm. Das “m” kann dabei auch hochgestellt sein.

Nun gibt es aber gerade bei den Akkorderweiterungen Probleme mit den Akkordsymbolen, die auf die Akkordbenennung zurückgehen.

Problematische Akkordbenennungen

Zusatz "maj"

Die Akkordbenennung richtet sich wie eingangs erwähnt nach dem Grundton und dem Akkordaufbau. Dabei bezeichnen wir bei allen Terzen, die oberhalb des Dreiklangs angeordnet sind, das Intervall, das sie zum Grundton bilden. Beispiel: C7 = c, e, g, b (b = erniedrigtes h, engl. b flat). Die kleine Terz g – b oberhalb des C-Dur Dreiklangs c, e, g wird als Intervall vom Grundton c zum Ton b angegeben, welches einer kleinen Septime entspricht. C7 bezeichnet also einen Dominantseptakkord aufgebaut auf dem Grundton c.

Soweit so klar. Für einen C-Dur Akkord mit großer Septime würden wir hingegen schreiben: Cmaj7 oder C∆7.

Versucht man eine Regel daraus abzuleiten, wird es schwierig. Die hochgestellte 7 bezeichnet die kleine Septime. Diese ist nicht leitereigen, also nicht in der C-Dur Tonleiter enthalten. Der Ton h hingegen ist in der Tonleiter enthalten, also leitereigen. Nun könnte man annehmen, dass kleine Intervalle immer nur mit einer Ziffer und große Intervalle mit einem der Ziffer vorangestellten “maj” bezeichnet werden. Oder leitereigene Intervalle mit “maj” und nicht-leitereigene nur mit einer Ziffer, oder? So ist es leider nicht. Betrachten wir mal den C9 Akkord. Dieser besteht aus folgenden Tönen:

c, e, g, b, d

Wie soll dieser Akkord benannt werden? Auf dem Grundton c aufbauend haben wir zunächst einen Dur-Dreiklang. Dafür schreiben wir den Großbuchstaben C. Dann folgt darüber eine kleine Terz. Ihr Abstand zum Grundton ist eine kleine Septime (c – b = kleine Septime). Darüber folgt eine große Terz. Der Ton d steht zum Grundton c im Abstand von einer großen None. Logisch wäre C7maj9, oder?

Tatsächlich wäre das eine eindeutige Schreibweise und jeder Musiker wüsste sofort, was damit gemeint ist. Leider ist es nicht die Schreibweise, die üblicherweise genutzt wird. Die übliche Schreibweise lautet C9.

Wenn du jetzt schon Kopfschmerzen bekommst, brauchst du gleich eine Schmerztablette, denn es kommt noch dicker:

Cmaj9 steht für einen C-Dur Dreiklang mit großer Septime und großer None. Hast du vorhin noch vermutet, dass sich der Zusatz “maj” auf die Septime bezieht, bekommst du mit der Erklärung nun ein Problem, wenn du sie auf die None beziehst. An der None selbst hat sich im Vergleich zu C9 nichts verändert.  In beiden Fällen haben wir es mit einer großen None zu tun. Verändert hat sich die Septime. C9 beinhaltet eine kleine Septime, während Cmaj9 eine große Septime besitzt. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Zusatz “add”:

Zusatz "add" und "sus"

Schau dir mal die folgenden Notenbeispiele an:

grundlagen-akkorde-benennung-01
Akkorde mit und ohne "add"

Der Zusatz “add” gibt uns die Anweisung, das angegebene Intervall zu ergänzen. Im ersten Beispiel C(add2) ergänzen wir eine große Sekunde (den Ton d) zum C-Dur Dreiklang.

Im zweiten Beispiel C(add9) ergänzen wir eine große None (erneut den Ton d) zum C-Dur Dreiklang.

Das dritte und vierte Beispiel kennst du schon. Im vierten Beispiel C(sus2) ergänzen wir eine große Sekunde (erneut den Ton d) zum Dur-Dreiklang. Doch fällt dir was auf?

Der Ton e, also die unterste Terz zum Grundton c fehlt. Der Zusatz “sus” für “suspended” gibt uns die Anweisung, die für das Tongeschlecht (Moll/Dur) wichtige Terz zum Grundton auszulassen, sie zu supendieren oder vorzuhalten. Man spricht von einem Akkordvorhalt oder Vorhalte-Akkord. Nun klingt das alles erst einmal wieder logisch. Doch:

Für die hier angegebenen Akkorde gibt es noch weitere Schreibweisen. So findet man für einen C(add2) Akkord auch die Schreibweise C2 und für einen C(sus4) Akkord die Schreibweise Csus.

Und dann ist da noch die Sache mit der Benennung, wenn sich zwei Akkorde gleichen:

grundlagen-akkorde-benennung-02
Uneinheitliche und verwirrende Benennung

Betrachten wir die Akkordumkehrungen eines C(add9) Akkords, erhalten wir in der dritten Umkehrung das gleiche Gebilde wie beim C(add2) Akkord. Bilde ich die Umkehrungen eines C(add2) Akkords erhalte ich die gleichen Gebilde wie beim C(add9) Akkord mit seinen Umkehrungen. Welche Bezeichnung ist nun richtig?

Das Problem geht noch weiter:

Akkorde mit 11 und 13

grundlagen-akkorde-benennung-03
Akkorde mit der Erweiterung 11 und 13 und ihre praktische Umsetzung

Wie du im Notenbeispiel sehen kannst, schließt ein C11 Akkord nicht nur die Undezime ein, sondern auch noch die große None und die kleine Septime zum Grundton c. Beim C13 ist es erwartungsgemäß ähnlich, auch hier werden die kleine Septime, die große None und die Undezime mit einbezogen. Hinzu kommt die Tredezime.

In der praktischen Ausführung werden aber nicht alle Töne gespielt, sondern stattdessen häufig die Terz und Quinte des Grunddreiklangs weggelassen. Manchmal wird das durch den Zusatz “omid” kenntlich gemacht, zum Beispiel “omid 3” oder “omid 5”.

Als alternative Akkordbenennungen finden sich deshalb in der Literatur dafür Akkordsymbole wie Bb/C oder Gm7/C für den C11 Akkord oder Bbmaj7/C für den C13 Akkord.

Diese Akkordschreibweise mit dem Schrägstrich nennt man treffenderweise Slash Chords (“Schrägstrich Akkorde). Sie geben exakt wieder, was gegriffen werden soll und welche Töne auszulassen sind.

Und nun? Ein Lösungsvorschlag

Du kannst die Welt nicht verändern und wenn du zu diesem Thema im Internet recherchierst, findest du eine Vielzahl verschiedener Meinungen. Fast jede dieser Begründungen für oder gegen eine bestimmte Schreibweise lässt sich mit den Akkordumkehrungen entkräftigen, denn Akkordsymbole geben in der Regel keinen Aufschluss über die Lage der zu spielenden Töne innerhalb des Akkords, also über das genaue zu spielende Voicing. Das Voicing ist in der Regel alleinige Entscheidung des Musikers und gehört in den Bereich der Interpretation.

Eine Ausnahme bilden die Slash Chords. Mit dieser Schreibweise lässt sich durchaus eine Angabe zum gewünschten Voicing machen, indem hinter dem Schrägstrich der zu spielende Basston angegeben wird. Trotzdem hindert nichts den Musiker daran, in der rechten Hand dennoch den Akkord in einer anderen Umkehrung zu spielen.

Nimm im Falle von “add” die Bezeichnung wörtlich und spiele bei einem C(add2) die Töne c, d, e, g. Ist hingegen C(add9) notiert, bist du in der Ausführung frei. Das ist keine Regel, sondern lediglich ein Lösungsvorschlag. Andere Musiker oder Musiklehrer können das komplett anders sehen. Meine Begründung ist, dass die Sekunde von der üblichen Terzenschichtung abweicht und eine große Reibung zum Grundton und der Dur-Terz besitzt. Gibt jemand gezielt die Sekunde als Ergänzungsintervall an, darf ich als Musiker und Interpret davon ausgehen, dass genau diese Reibung klanglich gewollt ist.

Bei Akkorderweiterungen mit der Undezime oder Tredezime präge dir ein, was gemeint ist. Zu ergänzen sind immer gleichzeitig die darunterliegenden Terzen wie kleine Septime und None, bei einem Tredezim-Akkord auch noch die Undezime. Terz und manchmal auch die Quinte können weggelassen werden. Schreibst du selbst Akkorde für andere Musiker, kannst du ihnen das Leben erleichtern, wenn du Slash-Akkorde notierst. Über diese Notation kannst du zugleich auch den zu spielenden Basston für den Bassisten mit angeben. Möchtest du mehr Freiheiten bezüglich der Voicings ermöglichen, schreibe C11 oder C13.

Akkorde mit “sus” sollten immer eindeutig sein und besser den gewünschten Ergänzungston genau bezeichnen. Schreibe hier lieber C(sus2) und C(sus4). Das ist eindeutig und es kommen keine Fragen auf.

Alternative: Zielgruppengerecht schreiben

Vielleicht hast du schon festgestellt, dass sich innerhalb eines bestimmten Genres einige Schreibweisen häufen. So ist in der Popmusik oft die Bezeichung Cadd2 zu lesen, während in der christlichen Popularmusik (Worship) C2 geschrieben wird. Im Jazz oder im Gospel hingegen liest man für den gleichen Akkord dann Cadd9.

Es ist also durchaus sinnvoll, die Schreibweise eines Akkords zu wählen, die im jeweiligen Stil weit verbreitet ist. So können Missverständnisse vermieden werden.

Fazit

Akkordbenennungen beziehungsweise deren konkrete Umsetzung in ein Akkordsymbol sind nicht immer eindeutig und es gibt viele verschiedene Akkordsymbole für das gleiche Konstrukt. Manchmal ist es deshalb für Einsteiger schwer, eine Regel für die korrekte Akkordbenennung abzuleiten. Eine solche scheint es schlicht nicht zu geben und selbst wenn es sie gäbe: Es hält sich niemand daran.

Achte bei deinen eigenen Sheets darauf, dass du konsequent bei einer Schreibung bleibst. Das erleichtert dir selbst und auch den Musikern, für die du vielleicht Lead Sheets schreibst, die Interpretation der Akkordsymbole. Vermische nicht innerhalb eines Sheets verschiedene Schreibweisen und auch bei unterschiedlichen Sheets solltest du stets eine Schreibweise beibehalten. Alternativ schreibe zielgruppengerecht und wähle die Schreibweise, die im jeweiligen Musikstil weit verbreitet ist. Möchtest du für mehr Eindeutigkeit bei Voicings sorgen, nutze die Slash Chord Schreibweise. 

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