Praxis: Wie hoch darf die Gage sein?

Die Meinungen gehen auseinander wie bei kaum einem anderen Thema: Wie hoch darf oder soll die Gage eines Musikers sein? Woran bemisst man die Gage und was wird branchenüblich akzeptiert? Mit diesem Thema beschäftigen wir uns im folgenden Artikel.

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Musiker sollten eine Gage für ihre Kunst verlangen. Doch wie hoch darf oder soll sie sein?

Warum du eine Gage verlangen solltest

Musiker sind ein seltsames Volk, wenn es um das Thema Gage geht. Schaut man sich in den Sozialen Medien um, prallen hier Welten aufeinander. Auf der einen Seite gibt es Musiker, die der Meinung sind, dass es vollkommen ok ist, ohne Gage aufzutreten oder nur für eine geringe Aufwandsentschädigung. Wieder andere treten dem vehement entgegen und fordern, dass kein Auftritt ohne Gage stattfinden sollte. Im weiteren Schritt entbrennt dein ein Streit über die Höhe derselben.

Ich gehöre zu den Musikern, die der Meinung sind, dass Arbeit grundsätzlich bezahlt werden sollte. Sobald ich das Haus verlasse und Musik für andere mache, die mit meiner Musik Geld verdienen, sollte man mir für diese Arbeitsleistung eine Gage zahlen.

Immer wieder findet man Anzeigen von Restaurants und Bars, die Musiker suchen, die am Wochenende für einige Stunden die Gäste unterhalten. Angeboten wird dann der kostenlose Verzehr oder eine minimale Gage von 50€. Solche Angebote sollte jeder Musiker ablehnen.

Was würde der Restaurantbesitzer sagen, wenn ich ihn auffordere, am Wochenende kostenlos für mich und meine Gäste eine Feier auszurichten oder das für eine “Aufwandsentschädigung” von 50€ zu tun? Richtig, er würde dankend ablehnen und mich wahrscheinlich verständnislos anschauen.

Das Unterhalten eines Publikums, und sei es auch als Hintergrundberieselung in einer Bar, ist Arbeit und muss entsprechend bezahlt werden.

Das bedeutet nicht, dass nicht ein Musiker gelegentlich als Ehrenamt einen Seniorennachmittag im benachbarten Seniorenheim betreuen kann. Das ist ein komplett anderer Fall und hat mit dem ersten Beispiel nichts gemeinsam.

Wie hoch sollte die Gage sein?

Erneut zeigt ein Blick in die Sozialen Medien, die häufig in solchen Fragen wenig sozial erscheinen, dass diesbezüglich die Meinungen deutlich auseinander gehen. Manche Musiker argumentieren in Sachen Gagenhöhe mit der Ausbildung des Musikers oder damit, ob der Musiker Profi ist oder nicht.

Erneut ist es meine Meinung, dass die Gagenhöhe nicht davon abhängig sein darf, ob jemand nun beruflich Musik macht oder eben nicht. Sie sollte auch nicht davon abhängig sein, ob der Musiker studiert hat, einen Lehrer hatte oder autodidaktisch gelernt hat.

Es gibt zahlreiche Musiker, die nie einen Lehrer hatten, nicht studiert haben und doch so manchen studierten Musiker “an die Wand spielen”. Die Mehrzahl der Rockmusiker hat nie eine Musikhochschule von  innen gesehen und sogar autodidaktisch gelernt. Sollte also ein Mark Knopfler oder Brian May weniger Gage bekommen als ich? Ich habe Musik studiert und dennoch würde mir im Traum nicht einfallen, mich mit diesen genialen Musikern zu vergleichen.

Die Höhe der Gage, die du verlangen kannst oder verlangen solltest, hängt nicht in erster Linie vom Ausbildungsweg als Musiker ab, sondern von der Tatsache, dass jeder Musiker ausgebildet ist – und das über viel mehr Jahre als zum Beispiel ein Arzt oder Jurist. Ob du das nun autodidaktisch getan hast oder mit der Hilfe eines Lehrers oder an einer Musikhochschule, spielt überhaupt keine Rolle – oder sollte es zumindest nicht spielen.

Schauen wir diesbezüglich mal auf das Handwerk. Hier gibt es einen groben Rahmen, in dem sich Handwerker bewegen. Trotzdem sind die Preise recht unterschiedlich. Manche Handwerker arbeiten günstig, andere verlangen für die gleiche Tätigkeit deutlich mehr Geld. Unentgeltlich arbeitet keiner. Nun stellt sich die Frage, warum ein Handwerker weniger Geld verlangt als der andere?

Ein Faktor könnte die Qualität der Arbeit sein. Ein anderer die Qualität der benutzten Materialien. Wieder ein anderer Faktor ist vielleicht der Ort, an dem der Handwerker ansässig ist. Die Betriebsgröße könnte ebenfalls eine Rolle spielen und natürlich auch die Reputation, die die entsprechende Firma hat.

Ähnlich ist es bei Musikern. Es gibt renommierte Musiker, die sich einen Namen gemacht haben, über die man in der Branche spricht. Diese Musiker haben eher drei Anfragen für einen Tag als eine in der Woche. Natürlich bestimmt die Nachfrage hier auch den Preis. Die Qualität ihrer Arbeit hat sich vielleicht herumgesprochen und somit sind Auftraggeber bereit, ihnen höhere Gagen zu zahlen. Vielleicht ist eine bestimmte Band Garant für ein ausverkauftes Haus und hohe Einnahmen über den Verzehr. Dieser Band wird man eine höhere Gage zugestehen als einer anderen Band, die mit kaum das halbe Haus füllt.

Ein Musiker in München kann im Münchener Umland bestimmt eine höhere Gage erzielen als ein Musiker im Ruhrgebiet oder im hohen Norden.

Ausschlaggebend sollte für deine Gage also die Qualität deiner Arbeit sein und das, was in deinem musikalischen Umfeld an Gage üblich ist.

Einige Beispiele

Ein Hochzeitssänger verlangt für seine Tätigkeit 150€. Ein Konkurrent bekommt für die gleiche Tätigkeit ohne Diskussionen 800€. Warum?

Das könnte einerseits damit zu tun haben, dass der zweite Hochzeitssänger sehr begehrt ist. Die Qualität seines Gesangs, die Liedauswahl, die Beratung des Brautpaares, die mitgebrachte Beschallungsanlage und die Begleitung des eigenen Gesangs am Klavier sind vielleicht Faktoren, die zu einer hohen Gage geführt haben und zu einer ebenso hohen Nachfrage, weil der Name oft von Brautpaar zu Brautpaar weitergegeben wird. Eine schöne und einladende Website mit professionell erstellten Fotos und gelegentliche Auftritte auf Hochzeitsmessen haben eventuell auch dazu beigetragen.

Der erste Hochzeitssänger hingegen wird gebucht, wenn kein anderer Zeit hat. Er kommt mit Playbacks und einer minderwertigen Beschallungsanlage. Die Brautleute suchen sich die Songs aus einer ihnen per Email zugesandten Liste aus und sehen ihren Hochzeitssänger am Tag der Trauung zum ersten Mal. Durch geringe Gagen versucht er sich, gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Die wenige Mühe, die er sich gibt, hört und sieht man dann schließlich auch seiner Performance an.

Vielleicht ist es aber auch gar nicht so und der erste Sänger liefert die gleiche Leistung in der gleichen Qualität ab wie der zweite Sänger und verlangt trotzdem nur 150€. Eventuell traut er sich auch gar nicht, mehr Geld zu verlangen. Würde er sich vor Augen halten, wie viel Geld ein Brautpaar im 21. Jahrhundert für eine Hochzeit ausgibt, würde er sehen, dass selbst die 800€ der Konkurrenz eher wie Kleingeld aus der Portokasse wirken. Er hat vielleicht einfach nicht gut genug recherchiert, was die branchenüblichen Preise sind. Vielleicht wird er sogar oft gebucht und die Brautpaare freuen sich, weil sie so extrem wenig Geld in einen guten Hochzeitssänger investieren mussten. Er erhält deshalb viele Aufträge und drückt den branchenüblichen Preis durch seinen Dumping-Preis nach unten.

Vielleicht zeigt dir dieses Beispiel, wie wichtig es ist, sich mit der Gagenthematik intensiv auseinander zu setzen. Niemand sollte sich unter Wert verkaufen und es sollte anders herum niemandem viel Geld gegeben werden, der keinen entsprechenden Gegenwert liefert.

Übliche Gagen als Sideman

Die übliche Gage für einen Einsatz als Sideman in Cover- oder Tribute-Bands variiert zwischen 300€ und 450€ zzgl. MwSt., Fahrtkosten und Spesen. Wer vereinzelt mal einen Job für 250€ annimmt, verdirbt anderen nicht das Geschäft. Kommen bei so einem Job neue Kontakte zustande, die dann später wieder nützlich sind und neue Jobs abwerfen, ist es das vollkommen in Ordnung.

Gagen im kirchlichen Bereich

Im kirchlichen Bereich werden häufig Hungerlöhne gezahlt. Hier liegen die Gagen in der Regel zwischen 50€ und 200€. Das liegt vor allem daran, dass Kirchengemeinden sich nach den gültigen Sätzen für Kirchenmusiker und Kirchenmusikvertretungen richten. Diese liegen für einen Gottesdienst zwischen 40 und 50€. Erneut sollte man sich mit diesen Gagen nicht zufrieden geben. Wenn eine Kirchengemeinde Profis engagiert, muss sie auch entsprechend dafür zahlen. Da dort oft mit Laien zusammengearbeitet werden muss und zusätzliche Proben anfallen, sind Gagen zwischen 200€ und 300€ eigentlich das Minimum, zu dem man arbeiten sollte. Ich habe lange Zeit als Sideman in einer professionellen Band gespielt, die immer für moderne Gottesdienste in einer Kirchengemeinde zusammengestellt wurde. Dort hat man für zwei Proben (eine Probe zuvor und eine am Auftrittstag) plus den Gottesdienst 150€ zzgl. MwSt. gezahlt. Das ist im Grunde genommen viel zu wenig. Für mich waren allerdings die Kontakte zu den anderen Musikern dort sehr wichtig. So habe ich das einige Zeit für diesen Preis machen können. Andere Musiker haben, weil sie für den Kirchenmusiker dort unverzichtbar waren, im Laufe der Zeit eine etwas höhere Gage durchgesetzt.

Doch auch im kirchlichen Bereich ändern sich die Zeiten und das Bewusstsein, dass Kirche und damit auch die Kirchenmusik Geld kostet. Fördertöpfe entstehen und finanzieren selbst größere Veranstaltungen. Als Musiker sollte man deshalb nicht davor zurückschrecken, etwas höhere Gagen zu verlangen.

Bands

Eine Band, die mit eigener PA anreist und einen Abend lang das Publikum in einer Bar, einem Club oder bei einer Hochzeitsfeier unterhält, sollte sich nicht scheuen, mindestens 400€ pro Musiker plus noch einmal 300€ für Technik und Transport abzurechnen. Das Catering sollte dann ebenfalls inklusive sein. Eine typische Tanzband mit fünf Musikern kostet dann 2300€ netto am Abend. In der Regel sind die Musiker 10 bis 12 Stunden auf den Beinen. Bei einer Gage von 400€ liegt dann der persönliche Stundenlohn zwischen 33€ und 40€, abzüglich Steuern, Krankenkasse, KSK-Beitrag und so weiter. Eigentlich ist das schon der absolute Mindestsatz, zu dem ein Musiker in diesem Bereich arbeiten sollte. Manche Bands berechnen auch einen Stundensatz von 500€ pro Stunde bei einer fünfköpfigen Band und mit einer Mindestgage von 400€ pro Musiker für vier Stunden Spielzeit.

Cover- oder Tribute-Bands auf Stadtfesten oder in Festzelten sollten ebenfalls nicht unter 400€ bis 450€ pro Musiker zzgl. MwSt., Fahrtkosten und Spesen spielen. Sind Hotelzimmer erforderlich, gehören diese ebenfalls auf die Rechnung. Da die Technik hier oft von einem Verleiher betreut wird, entfällt dieser Posten. Bringt man einen eigenen Techniker mit, darf man für diesen auch noch einmal eine Musikergage von 400€ bis 450€ aufschlagen. Eine fünfköpfige Band plus Techniker kostet somit den Veranstalter zwischen 2400€ und 2700€ netto.

Bei Shows in großen Theatern, bei denen Karten verkauft werden, darf mit höheren Gagen gerechnet werden, vor allem dann, wenn eine Band regelmäßig das Haus ausverkauft. Gesamtkosten für die Band zwischen 5000€ und 10.000€ netto sind hier keine Seltenheit. Oft kommen hier zu den Musikern noch TänzerInnen und weitere Darsteller, Kulissen und aufwändige Ton- und Lichttechnik hinzu.

Fazit

Das Thema Gage wird viel diskutiert und es gibt gravierende Unterschiede in der Bezahlung von Musikern. Diese Unterschiede sind nicht immer durch die Qualität der Darbietung zu begründen, sondern häufig auch dadurch, dass Musiker einfach nicht mehr Geld verlangen oder Bands zu lange für wenig Geld gespielt haben. Manchmal ist es auch die Angst, sonst nicht konkurrenzfähig zu sein, die höhere Gagenforderungen verhindert. Unterm Strich muss man sagen, dass es kaum Argumente gegen Gagenforderungen von mindestens 300 bis 400 Euro pro Einsatz gibt, bei Tanzbands mit mehreren Stunden Spielzeit am Abend sogar eher noch mehr. Nach Abzug aller Kosten, die einem freiberuflichen Musiker entstehen (Steuern, Versicherungen, Rente usw.) sollte deutlich mehr übrig bleiben als der gesetzliche Mindestlohn.

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