Tipps: Ein Gesangsmikrofon kaufen

Es gibt sehr viele verschiedene Gesangsmikrofone am Markt. Fast jeder Hersteller hat gleich mehrere Modelle im Programm und die günstigsten Mikrofone gibt es bereits für deutlich unter 50 Euro. Doch welches Mikrofon sollte ich kaufen? Was muss ich bei der Auswahl beachten und wie finde ich das richtige Mikrofon für meine Stimme? Hier findest du Antworten.

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Das richtige Gesangsmikrofon für die eigene Stimme zu finden ist gar nicht so einfach

Mikrofontypen

Auf der Bühne sind hauptsächlich zwei Bauformen anzutreffen: Tauchspulenmikrofone und Kondensatormikrofone. Tauchspulenmikrofone werden im Alltag oft auch einfach “Dynamisches Mikrofon” genannt, obwohl streng genommen auch die Bändchenmikrofone zu den dynamischen Mikrofonen gehören. Das Tauchspulenmikrofon ist also ein Mikrofontyp aus der Reihe der dynamischen Mikrofone.

Das Funktionsprinzip dieser beiden Mikrofontypen ist für dich als Sängerin oder Sänger gar nicht so wichtig. Wichtiger sind die Klangeigenschaften, die die beiden Vertreter mit sich bringen.

Dynamische Mikrofone haben in der Regel einen ausgeprägten Eigenklang. Dieser wirkt wie ein Equalizer auf den natürlichen und unverstärkten Klang deiner Stimme und muss unbedingt zu deiner Stimme passen.

Auch Kondensatormikrofone können vom Hersteller mit einem bestimmten Eigenklang versehen werden. Gerade bei Gesangsmikrofonen für die Bühne ist das oft der Fall. Oftmals klingen  Kondensatormikrofone aber insgesamt linearer und etwas feiner aufgelöst als ein Tauchspulenmikrofon. Ihre Empfindlichkeit ist auch deutlich höher als die eines Tauchspulenmikrofons.

Ich habe bei diversen Mikrofontests schon Sängerinnen folgenden Satz sagen hören: “Bei diesem Mikrofon muss ich weniger arbeiten.” Fast immer ist dieser Satz bei recht hochpreisigen Kondensatormikrofonen gefallen und er beschreibt sehr deutlich, was ich selbst auch immer wieder für mich festgestellt habe. Die höhere Empfindlichkeit von Kondensatormikrofonen und das recht lineare Klangbild erfordern weniger Interaktion mit dem Mikrofon als bei einem Tauchspulenmikrofon. Das ist natürlich nicht allgemeingültig und es gibt auch Kondensatormikrofone, die einen ausgeprägten Eigenklang besitzen und mit denen man richtig arbeiten muss, damit es klingt. Aber in der Regel stimmt diese Feststellung schon.

Kondensatormikrofone benötigen eine Spannungsversorgung. Diese wird in der Regel über die Phantomspeisung des Mischpults zur Verfügung gestellt. Ohne Spannungsversorgung gibt das Kondensatormikrofon keinen Pieps von sich.

Richtcharakteristik

Die Richtcharakteristik beschreibt, wie empfindlich ein Mikrofon für Schall aus verschiedenen Richtungen ist. Für Gesangsauftritte eignet sich in der Regel eine nierenförmige Richtcharakteristik am besten, da sie Schall von vorne aufnimmt und Hintergrundgeräusche minimiert. Arbeitest du nicht gerne mit Lippenkontakt, sind die etwas stärker richtenden Nierenvarianten richtig für dich: Superniere und Hyperniere. Wenn du mehr über die Eigenschaften von Mikrofonen wissen möchtest, schau dir auch die Grundlagenartikel zu Mikrofonen auf der Website an.

Frequenzgang

Der Frequenzgang gibt an, wie gut das Mikrofon verschiedene Frequenzen aufnimmt. Für Gesang ist es wichtig, dass das Mikrofon einen breiten Frequenzbereich abdeckt, um sowohl tiefe als auch hohe Töne gut wiederzugeben. Die menschliche Stimme bewegt sich hauptsächlich in einem Bereich von 100 Hz bis 10 kHz. Dieser Bereich sollte vom Mikrofon mindestens abgebildet werden. Die meisten Gesangsmikrofone decken jedoch einen Frequenzbereich über das komplette Hörspektrum eines Erwachsenen ab und reichen von 20 Hz bis hinauf zu mindestens 15 kHz. Kondensatormikrofone schaffen es sogar hinauf bis 20 kHz und darüber hinaus. Sehr tiefe Frequenzen werden am Mischpult im Gesangskanal in der Regel ohnehin durch ein Low Cut-Filter herausgefiltert. Bei Frauenstimmen setzen Techniker dieses zumeist bei 120 Hz, bei Männerstimmen bei 80 bis 100 Hz.

Der Frequenzgang von Gesangsmikrofonen ist fast nie linear. Hersteller heben gezielt Frequenzbereiche an und senken andere ab, um den Klang der Stimme zu formen. Oft sind das die Bässe, die oberen Mitten und die Höhen. Nicht jedes Mikrofon passt deshalb zu jeder Stimme. Probiere das Mikrofon deshalb immer unbedingt mit deiner Stimme und vor allem über eine PA aus.

Handling-Geräusche

Ein gutes Gesangsmikrofon sollte so konstruiert sein, dass es möglichst wenig Handling-Geräusche aufnimmt, wenn du es in der Hand hältst oder bewegst. Probiere das im Musikgeschäft unbedingt aus. Klopfe mit den Fingern leicht auf den Schaft, reibe über den Schaft und schüttele das Mikrofon etwas in der Rand. Hörst du hier laute Geräusche, solltest du eher zu einem anderen Mikrofon greifen, wenn dein Ziel ist, das Mikrofon auf der Bühne in der Hand zu halten. Befindet sich das Mikrofon ohnehin nur auf einem Stativ, zum Beispiel weil du beim Singen Gitarre spielst, kannst du die Geräusche vernachlässigen.

Robustheit

Für Live-Auftritte ist es wichtig, ein strapazierfähiges Mikrofon zu wählen, das Stößen, Schlägen und gelegentlichen Stürzen standhält. Kondensatormikrofone sind diesbezüglich etwas empfindlicher als ein Tauchspulenmikrofon. Nichtsdestotrotz sollte auch ein Kondensatormikrofon, dass für den Bühneneinsatz gedacht ist, einen Sturz aushalten können. In der Regel spielt die Robustheit heute keine allzu große Rolle mehr. Ich hatte in den letzten Jahren kein Mikrofon in der Hand, das schlecht verarbeitet war oder bei dem ich Zweifel an der Robustheit hatte.

Anschluss und Kompatibilität

Achte darauf, dass das Mikrofon mit deinem vorhandenen Equipment kompatibel ist. Die meisten Mikrofone haben einen XLR-Anschluss, der mit fast allen  Mischpulten kompatibel ist. Allerdings gibt es manchmal auch noch Mikrofoneingänge mit einem Klinkenanschluss (z. B. an Entertainer Keyboards). Hier benötigst du ein passendes Kabel von XLR auf Klinke. Achte außerdem darauf, dass für die Versorgung eines Kondensatormikrofons mit Strom Phantomspeisung benötigt wird. Zwar gibt es auch Phantomspeiseadapter, jedoch müssen diese gesondert gekauft werden. Mikrofonvorverstärker mit Klinkenanschluss stellen in der Regel keine Phantomspeisung zur Verfügung. Möchtest du also ein Kondensatormikrofon an einem solchen Mischpult oder Keyboard mit Klinkenbuchse einsetzen, wirst du einen Phantomspeiseadapter benötigen. Ein professionelles PA-Mischpult verfügt jedoch immer auch über Phantomspeisung und selbstverständlich XLR-Eingänge für die Mikrofone.

Budget

Setze dir ein Budget für dein Mikrofon und versuche, das beste Mikrofon in dieser Preisklasse zu finden. Einsteigermodelle sind oft günstiger, aber es kann sich lohnen, etwas mehr Geld in ein hochwertigeres Mikrofon zu investieren, wenn du vorhast, regelmäßig aufzutreten. Es gibt viele Mikrofone in der Preisklasse bis 100€, in denen auch einige sehr gute Einstiegsmodelle zu finden sind. Die Preisklasse bis 200€ beinhaltet bereits sehr gute Mittelklassemikrofone, mit denen man nicht viel verkehrt machen kann. Hochwertige Mikrofone kosten oft mehr als 400€. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese auch gut zu deiner Stimme passen. Vielleicht ist es gerade das Mikrofon für 99€, das bei dir perfekt klingt. Das wirst du nicht herausfinden, wenn du es nicht ausprobierst und mit denen einer anderen, höheren Preisklasse vergleichst.

Marken und Bewertungen

Schau dir Testberichte und Kundenbewertungen an, um herauszufinden, welche Mikrofone von anderen Musikern empfohlen werden. Gute Testberichte findest du zum Beispiel auf Online-Portalen wie amazona.de, delamar.de oder bonedo.de. Einige bekannte Marken für Gesangsmikrofone sind Shure, Sennheiser, Audio-Technica und AKG. Doch es gibt noch weitere Hersteller, die sehr gute Mikrofone bauen. Einer davon ist sE Electronics. Dieser Hersteller baut sehr günstige und zugleich sehr gute Gesangs- und Studiomikrofone und viele Mikrofone des Herstellers konnten in Tests überzeugen. Auch die beiden österreichischen Hersteller Austrian Audio (gegründet von ehemaligen AKG-Mitarbeitern) und Lewitt stellen sehr hochwertige Mikrofone her. Beachtenswert ist auch Audix, deren Mikrofone als extrem rückkopplungsfest gelten und deshalb auf sehr lauten Bühnen einen festen Platz haben.

Ausprobieren

Der wichtigste Punkt dieser Liste: Ausprobieren. Teste das Mikrofon vor dem Kauf, um sicherzustellen, dass es gut in der Hand liegt und zu deiner Stimme passt. Viele Musikgeschäfte bieten die Möglichkeit, Mikrofone vor Ort auszuprobieren. Oder bestelle dir verschiedene Modelle, probiere sie im Proberaum oder bei einem Auftritt aus und schicke die zurück, die nicht zu deiner Stimme passen oder dir vom Handling her nicht liegen. Fast alle Online-Händler bieten ein 30-tägiges Rückgaberecht. So kannst du in Ruhe verschiedene Modelle vergleichen.

Sprich beim Testen nicht nur in das Mikrofon, sondern sing einige Passagen: laut, leise, geflüstert, geschrieen, gehaucht – alles spielt eine wichtige Rolle. Dein Gesangsstil ist wichtig und das Mikrofon muss zu diesem passen. Es gibt einige Modelle, die einen guten Ausgangspunkt bieten: Das Shure SM58 gilt als das Rockmikrofon schlechthin. Zwei sehr gute Allround-Mikrofone sind das Sennheiser e935 und e945. Bei den Kondensatormikrofonen gehört das Sennheiser e865 zu den guten Mittelklassemodellen. Das Shure Beta 87A liegt in der oberen Mittelklasse. Das AKG C7 zählt zu den günstigeren Kondensatormikrofonen. Sehr hochwertige Mikrofone kommen von Neumann, DPA, Lewitt und Austrian Audio. Zu nennen seien hier beispielsweise das Neumann KMS 104 und KMS 105.

Für Einsteiger empfiehlt sich die Sennheiser e835/e845, das Shure SM58, das sE Electronics V7, das AKG D5 und andere. Gerade in der Preisklasse um 100 Euro hat fast jeder Hersteller ein Mikrofon im Programm. Verschaffe dir einen Überblick, indem du zum Beispiel in einem großen Online-Shops Gesangsmikrofone nach der Preisklasse filtern lässt. Schreibe dir die Modelle auf und frage gezielt im Musikgeschäft danach. Alternativ bestelle sie und vergleiche sie zu Hause.

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