Welches Keyboard für die Bühne?

Es gibt viele verschiedene Keyboards am Markt. Workstations, Entertainer Keyboards, digitale Synthesizer, analoge Synthesizer, Stage Pianos und Orgeln. Doch was eignet sich für die Bühne?

Workstation, Synthesizer, Stage Piano, Orgel, Entertainer Keyboard? Welches Keyboard eignet sich für die Bühne?

Keyboardtypen

Es gibt viele verschiedene Keyboardtypen. Manche Keyboards lassen sich auch gar nicht so genau einem Typ zuordnen, dazu zählen zum Beispiel die bekannten roten Instrumente von Nord. Schauen wir uns zunächst einmal näher an, welche Typen es gibt:

Synthesizer

Synthesizer zeichnen sich dadurch aus, dass sie Klänge mit einem Syntheseverfahren von Grund auf erzeugen. Es gibt viele verschiedene Syntheseverfahren, darunter zum Beispiel die bekannte Subtraktive Synthese, die Additive Synthese, FM-Synthese, Wavetable Synthese und mehr. Die meisten analogen Synthesizer wie der Moog Minimoog, Roland Jupiter 8 oder Roland Juno 106 arbeiten mit der Subtraktiven Synthese, bei der der Klang eines oder mehrerer Oszillatoren mittels Filterstufe bearbeitet wird und mit Hüllkurven für die Lautstärke und die Tonhöhe geformt. Mittels Low Frequency Oscillator (LFO) kommt Bewegung ins Spiel und es werden verschiedene Parameter wie die Tonhöhe, die Lautstärke oder die Filtereckfrequenz moduliert. Naturklänge mit Synthesizern herzustellen ist nicht so einfach möglich. Hersteller greifen deshalb häufig zu Zwischenformen und binden Samples in die Synthese ein. Einer der ersten kommerziell erfolgreichen Synthesizer, der mit PCM-Samples plus Subtraktiver Synthese gearbeitet hat, ist der Roland D50.  

Sampler

Sampler sind das Gegenstück zum Synthesizer. Eine Aufnahme eines Klangs (= Sample) wird über die Tastatur in der Tonhöhe verändert und abgespielt. Erste kommerziell erfolgreiche Sampler waren der Emu Emulator, AKAI S1000 und Ensoniq EPS. Auch Samples lassen sich per Filter und Hüllkurven formen und manipulieren. Mehrere Samples können ineinander übergeblendet werden oder per Anschlagstärke gewechselt. So lassen sich sehr Naturinstrumente sehr realistisch auf einem Keyboard wiedergeben und spielen. Reine Hardware Sampler spielen heutzutage keine große Rolle mehr. Als Software-Instrument sind sie häufig anzutreffen.

Workstation

Alles begann mit der Korg M1, obwohl im Prinzip schon das Fairlight CMI auch eine Workstation war, die jedoch nicht auf den Massenmarkt zielte und eher gutbetuchten Musikern vorbehalten war. Eine Workstation kombiniert einen Synthesizer mit einem Sequencer, um komplette Produktionen innerhalb der Workstation zu ermöglichen. Die Korg M1 bediente sich dabei PCM-Samples als Rohmaterial. Komplettiert wurde das alles mit einer Effektsektion. Moderne Keyboard Workstations wie der Roland Fantom, Yamaha Montage, Korg Kronos und andere bieten mehrere Syntheseformen, Sampling, Rom Samples, Sequencer, teilweise HD-Recording, Multieffekte, Drum Pads und vieles mehr. Sie sind sehr mächtig und lassen sich sowohl für die Vorproduktion von Songs im Studio und auf der Bühne einsetzen.

Stage Piano

Stage Pianos waren ursprünglich tragbare Digitalpianos, um auf der Bühne Piano-Sounds mit einer Tastatur mit 88 Tasten und Hammermechanik authentisch spielen zu können. Mittlerweile besitzen viele Stage Pianos eine Fülle an Sounds und manchmal sogar schon Fähigkeiten einer Workstation. Insbesondere Pianisten bevorzugen Stage Pianos als Hauptinstrument auf der Bühne.

Orgel

Die Orgel spielte schon immer eine große Rolle in der Musik. Entweder als Transistororgel wie verschiedene Modelle von Farfisa oder Viscount oder als Tone Wheel Organ wie die berühmte Hammond B3. Die meisten großen Rock Hits sind ohne den Klang einer dieser Orgeln nicht vorstellbar. Heutzutage sind die Sounds dieser Instrumente Bestandteil der meisten Keyboard Workstations und sogar Stage Pianos. Doch auch spezialisierte Instrumente mit Zugriegeln und  Leslie Simulation, die in der Lage sind, den Klang dieser alten Transistor und Tone Wheel Orgeln zu simulieren, finden sich am Markt.

Entertainer Keyboards/Arranger

Entertainer Keyboards, oft auch Arranger Keyboards genannt, sind eine besondere Gattung Keyboard. Neben vielen Sounds, die sich teilweise auch verändern oder von Grund auf programmieren lassen, besitzen sie eine Begleitautomatik, den Arranger. Diese generiert dabei in Abhängigkeit des eingestellten  “Styles” und der gespielten Akkorde eine komplexe Begleitung. Diese Entertainer Keyboards sind die Abkömmlinge der Heimorgel und ersetzten diese zunehmend ab Mitte der 1980er Jahre. Sie haben schnell den Ruf des Alleinunterhalter-Keyboards erhalten – komplett zu unrecht, denn sie sind im Prinzip nicht viel anders gestaltet als eine Workstation. Moderne Entertainer Keyboards wie der Yamaha Tyros 5, Yamaha Genos, Korg PA-1000 oder Korg PA-5X bieten ähnliche Funktionen wie eine Keyboard Workstation.

Keyboards für jeden Musikstil

Verschiedene Musikstile nutzen durchaus auch unterschiedliche Sounds, sodass die verwendeten Keyboards sich von Musikstil zu Musikstil deutlich unterscheiden können. Im Blues, Jazz und Rock spielen die Hammond B3 und das Klavier eine große Rolle, doch auch Synthesizer wie der Minimoog sind hier oft anzutreffen. Elektromechanische Instrumente wie Rhodes und Wurlitzer oder Clavinet spielen ebenso eine wichtige Rolle. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Instrumente, die diese Sounds besonders gut erzeugen, hier oft anzutreffen sind: Nord Electro, Nord Stage, Yamaha YC-oder die neue Yamaha CK-Reihe, Hammond SK-Pro und andere. Da die meisten dieser Instrumente darüber hinaus entweder Samples abspielen können oder sogar einen einfachen Synthesizer besitzen, sind sie vielfältig einsetzbar. Sie werden aber häufig auch mit einem Spezialisten wie einem analogen Synthesizer für Flächen oder Lead Sounds kombiniert.

Im Pop sind es häufig Synthesizer, die den Sound bestimmen. Alte und neue Analogsynthesizer sowie digitale Synthesizer. Doch auch der Sound von Naturinstrumenten wie Bläser Sounds, Piano, Flöten und so weiter sind hier gefragt. Samples werden sowohl für die Imitation von Naturinstrumenten als auch für neuartige Sounds genutzt, zum Beispiel Industrial Sounds. Oft sind es Workstations wie Roland Fantom oder Yamaha Montage, die von Popmusikern auf der Bühne eingesetzt werden, weil diese eine Fülle an Sounds bieten und durch ihre Synthese- wie Sampling-Fähigkeiten die meisten Pop-Stile abdecken.

Allrounder

Workstation Keyboards und Entertainer Keyboards sind echte Allrounder, die gerne von Musikern eingesetzt werden, die mehrere Musikstile abdecken müssen. Die große Fülle an Sounds bei gleichzeitig hoher Qualität macht diese Keyboards interessant. Insbesondere Top 40 Musiker und Tanzmusiker spielen diese Instrumente. Wer oft als Sub in verschiedenen Bands unterwegs ist und sehr kurzfristig Sounds für ein Set zusammenstellen muss, ist ebenfalls bei den Workstation und Entertainer Keyboards richtig. Die Sounds sind in der Regel in Kategorien sortiert und auf Knopfdruck abrufbar. Sound-Kombinationen lassen sich schnell speichern und die bekanntesten Sounds der großen Hits finden sich meistens in exakter oder ähnlicher Form in diesen Instrumenten wieder. Kombiniert man ein Arranger Keyboard oder ein Workstation Keyboard mit einem Nord Electro oder Nord Stage, hat man eigentlich alle wichtigen Sounds für alle Stile im direkten Zugriff. Die Styles bleiben dabei in der Regel ungenutzt. Für einen Gig als Duo oder Trio ohne Schlagzeuger sind diese aber durchaus interessant und lassen sich prima einsetzen.

Road-Tauglichkeit

Die Instrumente, die auch der Bühne genutzt werden, sollten ein gewisses Maß an Road-Tauglichkeit mitbringen. Dabei kommt es weniger darauf an, ob das Instrument ein Kunststoff- oder Metallgehäuse besitzt, denn es muss für den Transport ohnehin geschützt werden. Es kommt vielmehr darauf an, wie gut verarbeitet das Instrument ist: Wackeln die Regler und Fader? Ist die Tastatur hochwertig genug? Lässt sich das Display auch bei Bühnenlicht und nicht optimalem Betrachtungswinkel noch ablesen? Besitzt das Instrument symmetrische Ausgänge, um Brummen zu vermeiden? Ist das Instrument schwer genug, dass es nicht auf einem Keyboard-Stativ beim Spielen hin und her rutscht? Lassen sich Effekte ausschalten oder die Effektintensität reduzieren? Letzteres ist gerade bei Entertainer Keyboards wichtig, deren Sounds für das alleinige Spiel häufig durch Effekte zusätzlich “aufgeblasen” werden. Für professionelle Keyboarder ist außerdem wichtig, dass es eine Möglichkeit der Datensicherung gibt und das Instrument weit verbreitet ist. So ist es im Havariefall leichter, kurzfristig Ersatz zu beschaffen.

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