Wissen: Technik-Rider

Sobald deine Band nicht mehr mit eigenem PA-Equipment auf Veranstaltungen spielt, benötigt ihr für den Technikverleiher und Veranstalter einen Technik-Rider. Dieser Artikel verrät dir, um was es sich dabei handelt und wie du einen eigenen Technik-Rider für deine Band erstellst.

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Damit am Veranstaltungstag alles läuft, benötigt ihr einen Technik-Rider

Was ist ein Technik-Rider?

Ein Technik-Rider ist ein Dokument, in dem alle für den Auftritt der Band benötigten technischen Hilfsmittel aufgeführt sind. Das gilt für den Bühnenaufbau, für den Ton und das Licht.

Der Technik-Rider  ist für den Veranstalter wichtig, weil er anhand des Riders den Aufwand und die Kosten abschätzen kann, die entstehen, wenn er deine Band für eine Veranstaltung bucht.

Der Technik-Rider ist für den beauftragten Verleiher und seine Techniker wichtig, damit er ein Angebot für den Veranstalter zur benötigten Technik erstellen kann. Außerdem richtet sich der Bühnenaufbau, der Aufbau der Tontechnik und des Lichts nach den Angaben aus deinem Technik-Rider.

Was gehört alles in den Technik-Rider?

In den Technik-Rider gehören die folgenden Angaben:

  • Bühnenaufbau und Anforderungen an die Bühne (Maße, Podeste, Geländer etc.)
  • Angaben zum Ton: Besetzung der Band, benötigte Kanalzahl, benötigte Mikrofone, Funktechnik, Monitoring, Stromverteilung auf der Bühne usw.
  • Angaben zum Licht: Was soll wie und womit beleuchtet werden? Angaben zum benötigten Lichtsteuerpult
  • Sicherheitshinweise

Bühnenaufbau

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In den Technik-Rider gehören Angaben zum gewünschten Bühnenaufbau und zu den Podesten

Im Beispiel oben siehst du einen Auszug aus einem von mir erstellten Technik-Rider. Angegeben ist, welche Podeste und Podesthöhen gewünscht sind und wie der ungefähre Aufbau auf der Bühne aussehen soll.

Vor allem während der Corona-Pandemie war es wichtig, genau vorauszuplanen, da auch auf der Bühne Abstände einzuhalten waren. Doch auch abseits der Pandemie müssen Haustechniker von Theatern oder Bühnenbauer von Open Air-Bühnen anhand deiner Angaben abschätzen, ob der Aufbau mit der vorhandenen oder bestellten Bühne überhaupt funktioniert. Im Folgenden siehst du einen Saalplan, auf dem der Bühnenaufbau während einer Show nach Corona-Vorgaben geplant wurde:

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Anhand des Technik-Riders kann der Haustechniker vor Ort zum Beispiel die Bühne vorplanen und die Podeste entsprechend aufbauen, bevor die Band am Auftrittstag ankommt. Im Bild ein Saalplan, der während der Corona-Pandemie nach damals gültigen gesetzlichen Vorgaben erstellt wurde.

Tontechnik

Anhand der unter diesem Punkt aufgeführten Angaben stellt der Technikverleih die Technik zusammen und erstellt für den Veranstalter das Angebot. Führe hier auf, wie viele Mikrofone und zu welchem Zweck sie benötigt werden. Führe auf, welche Instrumente beteiligt sind, und wie sie ans Mischpult angeschlossen/verstärkt werden (Mikrofon/DI-Box). In der Regel führt man diese Angaben als Patch-Plan auf. Anhand dieses Plans belegt der Techniker dann auch später die Stagebox und bereitet das Mischpult vor. Wird ein spezielles Mikrofon gewünscht, kann man das hier vermerken (z. B. Background-Gesang: Shure SM58, Lead-Gesang: Funkmikrofon von Sennheiser, Shure o.ä.). Sollte die Technik von einem Verleiher gestellt werden, später aber euer eigener Tontechniker die Veranstaltung mischen, äußert auch Wünsche bezüglich des Mischpults. Manche Techniker laden gerne ihre fertigen Szenen auf das Pult, um Zeit bei der Einrichtung zu sparen. Dann ist es natürlich sinnvoll, wenn am Auftrittsort auch das passende Mischpult verfügbar ist.

Hier ein Auszug aus einem von mir erstellten Patch-Plan mit allen wichtigen Angaben:

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Der Patch-Plan gibt dem Verleiher/Techniker einen Überblick über die benötigten Wege von der Bühne zum Mischpult und zur Belegnung der Stagebox/des Mischpults

Auch Angaben zum gewünschten Monitoring sind sehr wichtig. Schließlich hängt ein Großteil des Gelingens einer Show davon ab, ob und wie sich die Musiker hören. Das könnte zum Beispiel so aussehen:

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Angaben zum Monitoring sind sehr wichtig. In diesem Beispiel habe ich sie ähnlich wie den Patch-Plan tabellarisch aufgeführt

Zwar wird ein professioneller Verleiher die PA entsprechend der Angaben vom Veranstalter passend dimensionieren, dennoch  kann es sinnvoll sein, dazu im Technik-Rider entsprechende Angaben zu machen.

Sehr wichtig sind auch Angaben zur Stromverteilung auf der Bühne. Führt auf, an welchen Stellen wie viele Steckdosen benötigt werden.

Lichttechnik

Bringt ihr euren eigenen Lichttechniker mit, gilt alles, was auch zum Ton gesagt wurde. Macht genaue Angaben zu den benötigten Lampen, Effekten und dem gewünschten Lichtsteuerpult. Bringt ihr euer eigenes Pult mit, benötigt der Verleiher von euch einen Patch-Plan ähnlich wie beim Ton, damit DMX-Adressen passend vergeben werden können. Da die Lampen der Traverse hängen und in der Regel nicht ohne Weiteres zu erreichen sind, sind spätere Änderungen nur mit viel Aufwand durchzuführen.

Arbeitet ihr hingegen mit dem Haustechniker oder einem Techniker vom Verleiher, kann dieser anhand des Bühnenplans sich Gedanken um das Grund- sowie Stimmungslicht machen. Fotos von einem Auftritt mit gelungenem Licht verschaffen dem Techniker einen Eindruck von dem, was von euch gewünscht ist.

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In den Technik-Rider gehören auch Angaben zum Licht. Diese können eher grundlegender Natur sein (wie hier im Beispiel) oder wie beim Ton detailliert ausgeführt inklusive Zuweisung von DMX-Adressen, wenn euer Lichttechniker sein eigenes Lichtpult mitbringt

Weitere Angaben

Sicherheitshinweise, Bühnenzugänge, Umkleidemöglichkeiten

Bühnen müssen in Deutschland von einer Fachkraft für Veranstaltungstechnik aufgebaut oder zumindest nach dem Aufbau geprüft werden. Ab einer bestimmten Szenenfläche gibt es sogar eine Meisterpflicht. Er erteilt die Freigabe und übernimmt die Verantwortung für die Sicherheit. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten werden. Im Zweifelsfall wird es lebensgefährlich und die Frage der Haftung spielt auch eine große Rolle.

Bestimmt also im Technik-Rider, dass die Bühne mit Geländern abgeschlossen sein muss (zum Beispiel bei Open Air-Bühnen). Das gilt ab einer gewissen Höhe auch für die Podeste der Musiker.

Die Erdung der leitungsfähigen Teile der Bühne oder von  darauf befindlichen Aufbauten ist ebenfalls sehr wichtig. Nicht nur als Blitzschutz. Das gilt übrigens auch für den Ton. Nicht selten kommen Techniker auf die Idee, Netzbrummen durch das Abkleben der Schutzleiter zu beseitigen. Die sich so langsam aufbauende Spannung hat schon so manchem Gitarre spielenden Sänger einen gehörigen Stromschlag verpasst.

Zu jeder Open Air-Bühne gehört ein Wetterschutz. Ist dieser nicht ausreichend vorhanden, ist das Spielen auf der Bühne nicht nur lebensgefährlich, sondern es wird unter Umständen auch euer teures Equipment beschädigt.

Hinweise zu Bühnenzugängen spielen eventuell auch eine Rolle. Sind TänzerInnen involviert oder muss sich jemand zwischendurch umziehen? Angaben zu einem eventuell benötigten für das Publikum nicht einsehbaren Bereich neben oder hinter der Bühne, der abends auch entsprechend beleuchtet sein muss, gehören in den Technik-Rider. Man kann sie alternativ auch in den Veranstaltungsvertrag schreiben, jedoch wird der Veranstalter kaum den Vertrag an den Technikverleih weiterleiten und am Ende ist dieser für die Umsetzung zuständig. Deshalb ist der Technik-Rider dafür der passendere Ort.

Was jedoch nicht in den Technik-Rider gehört sind Angaben zum Catering, zur Garderobe im Backstage-Bereich, zu Parkplätzen und so weiter. Das sind Dinge, die nur den Veranstalter etwas angehen.

Ansprechpartner

Was in keinem Fall fehlen darf, ist die Angabe eines fachkundigen Ansprechpartners, der im Vorfeld der Veranstaltung und am Veranstaltungstag erreichbar ist. Kein Veranstalter oder Verleiher hat Lust, fünf Band-Mitglieder abzutelefonieren, bis er irgendwann mal einen Verantwortlichen erwischt oder jemanden, der weiß, wovon er spricht.

Übertragt bitte dem Ansprechpartner immer auch die Entscheidungsbefugnis. Es kommt relativ häufig vor, dass am Auftrittstag etwas nicht so umgesetzt werden kann, wie es eigentlich geplant war. In diesen Momenten müssen schnelle Entscheidungen getroffen werden. Es ist nicht professionell, wenn der Ansprechpartner dann erst Rücksprache mit der Band halten muss. Leider habe ich in der Vergangenheit öfter von meinem Auftraggeber zwar den Job als Ansprechpartner übertragen bekommen, hatte aber eigentlich keine Entscheidungsbefugnisse. Der Auftraggeber selbst war aber nicht zu erreichen, sodass ich am Ende doch eine Entscheidung treffen musste, um die Veranstaltung nicht zu gefährden. Das hat dann oft zu Unmut geführt und hat ein wenig professionelles Bild abgegeben.

Habt ihr eigene Techniker für Ton und Licht? Prima! Dann übertragt diesen bitte den Job als Ansprechpartner und die Entscheidungsbefugnis für alles, was mit der Bühne, dem Ton und dem Licht zu tun hat. Das macht euren Job als Band entspannter und auch eure Techniker freuen sich, wenn alles reibungslos läuft und sie nicht bei ihrer Ankunft eine böse Überraschung erleben.

Fazit

Du weißt jetzt, was ein Technik-Rider ist und welche Angaben in den Technik-Rider gehören. Versuche nun, einen Technik-Rider für deine Band zu schreiben. Oder macht das gemeinsam bei einer Band-Probe. Überlegt genau, welche Technik ihr bei einem Auftritt benötigt. Was muss die PA leisten, welches Licht braucht ihr? Wie groß muss die Bühne sein? Benötigt ihr Podeste? Schreibt alles zunächst zusammen und bringt es hinterher in eine ordentliche Form. Besprecht, wer der Ansprechpartner ist und schreibt dessen Name und Mobilfunknummer in den Technik-Rider. Übertragt  ihm außerdem die Entscheidungsbefugnis. Ein guter Technik-Rider trägt maßgeblich zum Gelingen einer Veranstaltung bei und steigert auch gleich die Laune bei allen beteiligten Technikern, die dafür sorgen sollen, dass ihr als Band gut ausseht und gut klingt.

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